Sanguineto – wo Hannibal die Römer schlug

Sanguineto – wo Hannibal die Römer schlug


Das „Waterloo“ der Römer –
Vor über 2.200 Jahren war der kleine Ort Sanguineto am Trasimenischen See Schauplatz einer blutigen Schlacht des Zweiten Punischen Kriegs mit legendärem Ausgang. Der punische Feldherr Hannibal schlug hier im Frühjahr 217 v.Chr. zwei Heere des aufstrebenden Römischen Reiches vernichtend. Die Schlacht am Trasimenischen See markiert somit einen bedeutsamen Punkt im Kampf zweier angehender Großreiche um die Vorherrschaft im Mittelmeerraum – dem Punischen Reich mit seiner Hauptstadt Karthago und dem Römischen Reich. Dem Zweiten Punischen Krieg war der Erste vorausgegangen, aus dem das Römische Reich als Sieger hervorging.

Foto: Blick von Sanguineto auf die Isola Maggiore des Trasimenischen Sees

Rom fordert die Auslieferung Hannibals -Verschiedene Umstände brachten Rom jedoch dazu, von Karthago die Auslieferung des punischen Feldherrn Hannibal zu fordern. Da sich Karthago dieser Forderung widersetzte, erklärten die Römer den Puniern erneut den Krieg. Rom hatte bereits schwerwiegende Verluste im Kampf gegen Hannibal zu verzeichnen, als im Frühjahr 217 v.Chr. die Bedrohung durch die karthagischen Streitmächte immer stärker wurde. Im Folgenden wurden über 100 000 Mann unter Waffen gestellt, um für den Kampf gegen Hannibal gerüstet zu sein. Ein 25 000 Mann starkes Heer schlug unter dem Befehl des römischen Konsuls Gaius Flaminius sein Lager nahe der etruskischen Stadt Aretium auf. Hannibal zog indessen mit seinen Truppen plündernd und brandschatzend durch reiche Regionen Etruriens. Das zahlenmäßig unterlegene Heer des Flaminius folgte Hannibal auf seinem vermeintlichen Weg nach Rom bis zu jener verhängnisvollen Uferregion des Trasimenischen Sees, die das Schicksal der römischen Streitkräfte besiegeln sollte. Die Uferlandschaft von Tuoro am Trasimenischen See kann nur über einen schmalen Uferweg durchquert werden, der an den Höhen von Montigeto endet.

Gefangen in der Mausefalle – Hannibal erkannte, dass dieses Gebiet wie geschaffen für eine Art Mausefalle war. Als sich das römische Heer am Morgen des 21. Juni 217 v.Chr. auf der engen Uferstraße in Bewegung setzte, sandte Flaminius zuvor keine Aufklärer durch die unübersichtliche Enge und dicker Nebel verhüllte zusätzlich die Landschaft. Als die römische Vorhut kurz vor der Höhe von Montigeto angelangt war, wurden sie vom Angriff der Libyer und Iberer, die Hannibal als seinen stärksten Truppenteil in diesen Hinterhalt gelegt hatte, völlig überrascht. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich bereits alle Römer auf der schmalen Uferstraße, ein Entkommen in die entgegengesetzte Richtung verhinderte die karthagische Reiterei, die den Ausgang der Enge versperrte. Hannibal gab den Lanzenträgern und versteckten Galliern an den Hängen des Seeufers das Signal zum Angriff und Zehntausende überrannten die in der Falle sitzenden Römer. Die römischen Offiziere hatten keine Gelegenheit mehr, ihre Truppen in die Schlachtordnung zu bringen.

Abbildung: Rote Pfeile = Römer, blaue Pfeile = Hannibal

Der Skalp des Feldherrn Flaminius als Trophäe -Innerhalb von nur drei Stunden starben rund 15 000 römische Kämpfer. Auch ihr Anführer Flaminius folgte ihnen, tödlich getroffen von der Lanze des Galliers Ducarius, der mit dieser Tat Rache für die Vernichtung seines Stammes nahm. Nach altem Brauch hat Ducarius vermutlich den Kopf des römischen Konsuls als Trophäe mitgenommen. Besonders schwere Verluste erlitt die römische Nachhut, die nicht mehr nach vorne über die Ebene von Tuoro entfliehen konnte. Wer nicht im See ertrank, wurde von den karthagischen Reitern getötet. 6 000 Römer, die an der Spitze des Heeres marschiert waren, konnten zunächst fliehen, wurden jedoch kurze Zeit später von den Karthagern gefangen genommen. Die Verluste auf karthagischer Seite waren mit 1 500 Mann deutlich geringer als die der Römer. Kurz nach der Schlacht am Trasimenischen See erreichten 4 000 römische Reiter aus dem Heer des Konsuls Gnaeus Servilius Geminus, der sein Lager in der Nähe von Ariminum errichtet hatte, den Schauplatz. Diese zu spät eingetroffene Verstärkung wurde von den punischen Streitkräften ebenfalls vernichtend geschlagen. Nach zahlreichen weiteren Erfolgen Hannibals fiel die endgültige Entscheidung im Zweiten Punischen Krieg erst 16 Jahre später in der Schlacht von Zama. Unter dem Feldherrn Scipio dem Älteren schlug das Römische Reich Karthago endgültig.